Stappenmethode vorgestellt bei KiSCH

14.09.2006 20:00  Von:: Jürgen Daniel

Die STAPPENMETHODE von Rob Brunia und Cor van Wijgerden begleitet Kinder vom Erlernen der ersten Grundlagen bis zu einer ansehnlichen Spielstärke über viele Jahre hinweg. Viele Schulen und Schachvereine in den Niederlanden benutzen die Methode für ihre Schachlektionen und auch in Deutschland gewinnt die Methode immer mehr Anhänger.

Viele Schachverbände, Schachvereine und Schulschachgruppen haben ihre Lehrgangsarbeit bereits auf die Stappenmethode umgestellt, die in den 80er Jahren in Holland entstand.

Damals setzte Cor van Wijgerden viele Übungsblätter für die besten Jugendspieler der Niederlande ein (er war damals Nationaltriner des holländischen Schachverbandes). Die Nachfrage nach derartigen Aufgaben auch auf einem niedrigeren Niveau wurde immer größer. So ging  van Wijgerden daran, zusammen mit dem (zwischenzeitlich verstorbenen) Pädagogen Rob Brunia ein geschlossenes Konzept zu entwickeln, dass an dem kindlichen Denken anknüpft und mit der Zeit immer weiter verbessert wurde.

1987 wurden die ersten Trainer-Handbücher und Aufgaben herausgegeben. 1990 erschien das fünfte Handbuch und damit war die Lehrmethode mehr oder weniger abgerundet. 2004 kamen neben der deutschen Übersetzung auch die englischen und französischen Sprachversionen in den Handel.

Die Lehrmethode besteht aus sechs Stufen (Stappen = Stufen). Zu jeder Stufe gehört ein Handbuch mit Lektionen für den Trainer und ein Arbeitsbuch mit Aufgaben für die Schüler. Dazu gibt es nach jeder Stufe „Prüfungen“ und bei einer erfolgreichen Teilnahme ein „Examen“.

Die STAPPENMETHODE ist nicht nur im Schachverein oder der Schule anwendbar sondern die Hefte lassen sich auch ausgezeichnet zu Hause einsetzen. Wichtig ist dabei vor allem: Dem Kind Zeit zu lassen, sich die darin präsentierten Inhalte langsam und gründlich anzueignen - denn die einzelnen Arbeitshefte sind didaktisch klug ausgetüftelt und über die Jahre hinweg immer weiter verbessert worden - mit einfachen „Taktiksammlungen“ haben diese nicht viel gemein.

Hier ein Überblick über die Inhalte der ersten fünf Stufen:

Stufe 1
In der ersten Stufe werden die Grundregeln des Schachspiels behandelt. Viel Aufmerksamkeit wird den elementaren Fertigkeiten gewidmet, die zum Schachspielen benötigt werden. Auch das Mattsetzen spielt eine zentrale Rolle.

Stufe 2
Jetzt stehen die ersten Grundregeln der Taktik und des Positionsspiel auf dem Programm. Gelernt werden Angriffstechniken, mit denen man geschickt Material erbeuten kann.

Stufe 3
Die Taktikthemen sind relativ einfach und auch die Lektionen über die Verteidigung gegen Taktik sind noch elementar. Die ersten Bauernendspielen werden behandelt. In dieser Stufe beginnt das Erlernen wichtiger unterstützender Fähigkeiten. Eine davon ist das Vorausdenken. Der Schüler berechnet im Kopf die Möglichkeiten auf dem Brett und stellt sich gleichzeitig die neu entstandene Situation auf dem Schachbrett vor (er visualisiert die Stellung).

Stufe 4
Der Schwierigkeitsgrad des Lernstoffes in der vierten Stufe liegt höher als in der dritten. Das liegt besonders an der Zügeanzahl der Löungen der Aufgaben. Bei den meisten Themen ist die Lösung 2-3 Züge tief. Die Taktik steht größtenteils im Zeichen des vorbereitenden Zuges. Ein direkter Angriff wirkt noch nicht, eine vorbereitende Aktion ist daher notwendig. Alle vorhandenen Vorbereitungen kommen an die Reihe: hinlenken, Ausschalten der Verteidigung, jagen, richten und räumen.

Stufe 5
Positionelle Aspekte spielen eine immer größere Rolle für Spieler in der 5. Stufe. Die Lektionen über Bauernstruktur, siebte Reihe, starkes Feld und offene Linien enthalten viele strategische Dinge. Mit einem Plan zu spielen, ist im Schach sehr wichtig und ein unentbehrlicher Anteil an den einzelnen Lektionen über das Endspiel.

Vorstufen
Vor kurzem erschienen auch zwei Vorstufen-Arbeitshefte, die sich sehr gut für die ersten Aktivitäten im Kindergarten bzw. Vorschulalter eignen. Sie wenden sich an Kinder, die noch nicht lesen können und haben auch größere Stellungsbilder, die der gröberen Motorik in diesem Alter Rechnung tragen.

Einsatzmöglichkeiten
Dem Autor selbst ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die einzelnen Stufen langsam und mit ausreichender Zeit durchlaufen werden sollten. Anders als einafche Taktiksammlungen kann es hier nicht darum gehen, möglichst viel Aufgaben in möglichst kurzer Zeit zu lösen. Jede einzelne Stufe beinhaltet Aufgaben für etwa ein ganzen Lernjahr. Auch wenn die erste Stufe noch vermeintlich leicht erscheint, so legt sie doch die Grundlagen für eine spätere erfolgreiche Entwicklung. Die fünfte Stufe erreichen nach van Wijgerden überhaupt nur wenige Kinder, sie hat mindestens D-Kader Niveau.

Fazit
Die Stappenmethode ist nicht umsonst in unserem Nachbarland seit vielen Jahren erfolgreich. Das Konzept ist durchdacht, optimal aufbereitet, kostengünstig und kann junge Schachspieler viele Jahre hindurch begleiten. Mit dieser Methode sollte sich jeder Vereinstrainer auseinandersetzen.


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